Der Schild
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DER KAMPFSCHILD

Der Kampf mit Schwert und Schild gilt als der Normalfall beim Feast. Der Schild ist daher nach dem Schwert das wichtigste Utensil auf dem Feld. Es lohnt sich in jedem Fall, erst einmal ein paar unterschiedliche Typen zu testen, bevor man sich einen eigenen Schild baut. Diese Anleitung bezieht sich auf einen unserem Sicherheitsstandard entsprechendenTyp, nicht auf einen historisch korrekten Nachbau. Wer hier Fragen hat, kann mich gerne anmailen.

Wir unterscheiden zwei Arten von Kampfschilden: Rundschilde und "Kites" (Ritterschilde). Rundschilde gliedern sich in jene mit Zentralgriff und jene mit Riemen (4 Punkt-Befestigung). Andere Formen (Normannischer Drache, Oval, Sechseck, Rechteck) sind möglich, aber Ausnahme. Alle Schilde variieren in Größe und Gewicht.

Kampfschilde bestehen bevorzugt aus Holz, haben keine scharfen Kanten und einen gepolsterten Rand.

DER RUNDSCHILD

Die Basisform des Schildes, leicht herzustellen und bei kleinem Durchmesser sehr handlich. Standardgröße liegt bei 70-75 cm Durchmesser. Kleinere Schilde (Buckler) werden im Zentralgriff gehalten, größere sind für die meisten im Einzelkampf zu unhandlich und eher für den Schildwall gedacht. Der griechische Hoplitenschild maß bis 100 cm Durchmesser.

Man nehme eine passende 12 mm starke Sperrholzplatte, schlage einen Zirkel in der gewünschten Größe und schneide die Form aus. Je besser die Holzqualität, desto länger hält der Schild. Die Griffschlaufen liegen auf der Mittelachse des Schildes, der Faustriemen dabei mindestens eine Faust breit vom Rand entfernt. Die Riemen werden mit Schlossschrauben im Holz verankert und unter Unterlegscheiben mit zwei Muttern gekontert. Dabei großzügig Platz um den Arm lassen. Als Riemen eignet sich breites Leder oder steifes Gewebeband (BW-Koppel), keinesfalls Kunstleder. Anstelle des Faustriemens bietet sich auch ein starrer Griff an. Die Auflagefläche des Arms kann hinterpolstert werden.

Beim Zentralgriff ist ein Schildbuckel aus Stahl, Bronze oder auch Holz nötig, in den die Faust um einen Steg hineingreift (stählerne Schildbuckel gibt es bei vielen Internetanbietern in unterschiedlichen Ausführungen und Qualitäten oder auf Mittelaltermärkten). Größere Schilde wie die sächsischen oder griechischen hatten zusätzlich noch eine Schlaufe für den Unterarm, waren jedoch auch konkav.

Als Umrandung eignet sich handelsübliche Rohrisolierung (kleinster Durchmesser – muss aber häufig ausgetauscht werden), weiches Gummi oder mehrlagiges Leder, jeweils mit Gewebeband, Leder oder auch Fell umrandet und am Schild befestigt. Hierfür bohre man ca. 30 mm vom Rand entfernt Löcher im Abstand von 50-100 mm und befestige die Umrandung mit Lederschnur oder Paketband. In den letzen Jahren haben sich bei uns schwarze Kabelbinder als Halterung durchgesetzt: Schnell anzubringen, billig und unkaputtbar, dabei von Lederbändern aus 1 m Entfernung kaum zu unterscheiden. Am schönsten aber aufwendiger sind kurze Ledersteifen, die durch die Holzplatte verschraubt oder vernietet werden.

Keltische Oval- und Stundenglasförmige Schilde werden ebenso hergestellt. Diese hatten ebenfalls Zentralgriffe und waren nicht gekrümmt.

RITTERSCHILD (HEATER)

Dieser ist aufwendiger in der Herstellung, ist jedoch stabiler und bietet den besseren Schutz. Die idealen Maße für einen Mann mittlerer Größe liegen etwa bei 70 cm Breite und 75 cm Höhe – hier ist der Schild schnell zu handhaben, deckt gut und nimmt nur wenig Sicht (Problematischer als die hohe Masse eines großen Schildes ist die Sichtbehinderung, die er verschafft, z. B. wenn der Gegner zu den Fesseln schlägt).

Für den Heater benötigt man drei Lagen je 4 mm starkes Sperrholz. Beim Zuschneiden darauf achten, dass die Maserung gegenläufig ist (Quer-Längs-Quer). Die Platten werden über einen Balken gebogen und unter Druck verleimt (etwa 12 Stunden). Erst dann wird die Form ausgeschnitten: Die Seiten verlaufen etwa bis zur Mitte gerade herunter und treffen sich dann in einem Halbkreis oder in einer sehr stumpfen Spitze.

Der Schildarm liegt bei diesem Schild etwa in der Diagonalen; hierfür ermittle die diagonale Balanceachse und markiere die Haltepunkte – wieder mit ausreichenden Zwischenräumen. Siehe die Ausführungen zum Rundschild.

Ein so gebauter Kampfschild ist extrem robust und hält in der Regel 2-3 mal so lange wie ein Rundschild. Auch mit einer Holzfälleraxt ist ihm kaum beizukommen. Die Krümmung kann im Laufe der Jahre leicht nachgeben, hält aber erstaunlich gut. Der Vollständigkeit halber schreibe ich mal dazu, dass etliche Mittelaltershops im Internet oder bei Ebay mittlerweile recht günstige und solide Schildrohlinge anbieten. So etwas gab es einfach noch nicht, als wir angefangen haben. Wer da eine gute Adresse haben will, der maile mich einfach an. Mittlerweile ist es eher eine Frage der Vorliebe und der Zeit, die man zur Verfügung hat, die darüber entscheidet, wieviel man selber macht...

Zuletzt werden die Kanten wie oben geschildert gepolstert.

WAPPEN UND BESCHLÄGE

Die meisten Kämpfer auf dem Feast wählen irgendwann ein eigenes Wappen, das selbstverständlich dann auch auf dem Schild getragen wird. Hierbei zeigt es sich spätestens, ob der Entwurf nicht nur ästhetisch, sondern auch praktikabel ist. Oft ist weniger mehr.

Als Alternative zu Wappenbemalungen bieten sich besonders bei den Rundschilden Beschläge und Ornamente an, die einen sehr dekorativen Charakter haben und zudem dauerhafter als Bemalung sind. Katharinas sehr beliebter Rundschild ist dunkel gebeizt und mit 90 Kupfernieten nach Art der schottischen Targes beschlagen. Gisbert hat seinen Schild mit Leder überzogen, was dem historischen Vorbild entspricht.

Letzten Endes zählt hier eh der eigene Geschmack.

Wer die Herstellung eines detailgetreuen keltischen Schildes erwägt, findet auf der REPLIK-Site eine exakte Anweisung: Keltischer Schmuck